Über den Einsatz gefundener Materialien

Zuerst war die Anziehungskraft der Strände, wo Meer und Land aufeinandertreffen, war das Interesse an einem Bereich ständiger Bewegung, wechselseitiger Veränderung, sichtbarer Spuren zahlreicher Lebewesen und kosmischer Phänomene.

 

Unterwegs sein an Stränden -

bedeutet für mich unverstellte Raum- und Zeiterfahrung. Leben mit Ebbe und Flut, dem Rhythmus der Wellen, der Strandvögel, dem Wechsel von Wetter und Beleuchtung.

 

Unterwegssein im Meer- Landgebiet -

heißt auch Begegnung mit Zeichen von gegenwärtigem und vergangenem Leben.

 

Der Strandgehende geht nicht rasch. Vielleicht vierzig Schritte in der Minute. in solcher Zeit macht die Kamera des Auges  viele Aufnahmen. Manche lohnen es vielleicht, dass man sie zum Entwickeln gäbe. Vierzig Schritte ist eine lange Zeit, die Minute ein unendlicher Raum, und das Nichtgeschehen, bis zum Platzen voll von Möglichkeiten des Geschehens, über alle Maßen dramatisch.

 

frei nach Alfred Polgar, "Im Lauf der Zeit" rororo 1954 

       

Mich reizten wohl zunächst Farbe, Form und Oberflächenbeschaffenheit der Planken, Rundhölzer, Möbelteile, Pinselstiele und ähnlicher Fundstücke. Die ursprünglichen Farb- und Oberflächenqualitäten, bestimmt von der Art des Materials, von Werkzeugbeabeitung und vom Farbanstrich, haben durch Salzwasser, Wind, Sonne, Regen, Tierfraß und Pflanzenbewuchs eine mehr oder weniger vorangeschrittene Veränderung erfahren.


 

Ähnlich unterschiedlich ist das Maß der Zerstörung bzw. Auflösung der ursprünglichen Formqualitäten von ganzen Gegenständen, Teilen oder Bruchstücken. Fundstücke können durch die Einwirkung oben genannter Kräfte eigenständige Wirklichkeiten sein oder in der Abwandlung ihrer vormaligen Merkmale vergehende Realität bedeuten. Hinzu kommt das Verhältnis  der Gegenstände zur ursprünglichen Bestimmung.

 

Das vorsätzlich Fortgeworfene, Abgenutzte, Unmoderne, Nichtintakte, definiert als Abfall, kann als Kulturspur verstanden werden, lässt Verbindung zum Subjekt / Objektbezug zu. Die zerstörten Materialien, die zersplitterten, verbeulten, zerbrochenen, die gewaltsam von ihrem Bestimmungsort entfernten Elemente können in ihrer zufälligen Einmaligkeit autonome Zeichen sein.

 

 

Gefundenes, das im Ganzen erhalten und noch funktionstüchtig ist, bei dem der Bezug zur ursprünglichen Verwendung evident ist, erscheint eigenartig in fremder Umgebung, dem adäquaten Zusammenhang enthoben.

 

Ich verstehe meine Arbeiten als Darstellung von Innenansichten eines Strandgehenden, verdinglicht in Fundstücken, konkretisiert in der Spannung von Vorgefundenem und Erfundenem, von ehemaliger Funktion und neuem ästhetischen Zusammenhang.

 

Die Arbeiten sind Versuche, die oben angesprochenen autonomen Materialrealitäten sichtbar zu machen, Relationen zwischen dem Jetzt und der Vergänglichkeit zu realisieren.

 

Horizonte, Felder und Objekte korrespondieren miteinander; tonale Farbflächen, gleichartige Profile, Formvarianten beziehen sich aufeinander, zentralmontierte Farbformen stehen in Wechselwirkung mit monochromen Feldern in der Raumüberlagerung.

 

Worauf es ankommt! Nicht darauf, dass andere mir sagen müssen, wie gut ich bin, oder wie toll meine Leistungen sind. Erst wenn ich für mich selbst ein passendes Gefühl für mich und mein Leben habe, weder zu viel noch zu wenig, dann glaube ich fest daran, dass ich die Lebensbalance geschafft habe. Der Prozess dauert an ...